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ZEITung FÜR HEIMAT

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Geschichten aus dem Unbezahlbarland, Liebe Leserinnen und Leser, sind Sie Frühaufsteher? Wenn ja, dann haben Sie hier im Unbezahlbarland die Chance, morgens als erste Menschen in Deutschland die Sonne zu sehen. Das mag für viele Außenstehende einzigartig klingen. Für uns ist es selbstverständlich.

Interview mit Sven Mimus

Interview mit Sven Mimus ZEITung FÜR HEIMAT ZEITung FÜR HEIMAT 32 33 Interview mit Sven Mimus Zukunftsmusik? Interview mit Sven Mimus „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Pippi Langstrumpf konnte mit ihrem grenzenlosen Optimismus und mit ihren Superkräften alles erreichen und zumindest ihr direktes Umfeld nach ihrem Willen gestalten. Auch wenn die Bücher von Astrid Lindgren inzwischen über 70 Jahre alt sind, können wir gerade jetzt ein bisschen von Pippi lernen. Denn auch wir haben zur Zeit die Möglichkeit, unsere Welt so zu gestalten, wie wir sie haben möchten. Grenzenlosen Optimismus brauchen wir auch dazu. Wir haben zwar keine Superkräfte. Dafür gibt es aber richtig viel Kohle, um den Rückzug von der Kohle abzufedern. Der aufmerksame Leser wird ahnen, worum es geht. Viele können den Begriff sicher nicht mehr hören. Seit Jahren schon geistert er durch die Medien. Bei einigen löst er Ängste aus, bei manchen sorgt er für Frust. Der Vollständigkeit halber wollen wir ihn hier dennoch einmal nennen: Strukturwandel! „Ich mag den Begriff überhaupt nicht. Die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten, aber schon“, sagt Sven Mimus, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH, kurz ENO. „Es wäre viel besser, wenn wir nicht über einen Wandel, sondern über eine Entwicklung sprechen. Wir haben es jetzt in der Hand, Weichen für die Zukunft zu stellen. Jetzt ist die Zeit für unsere Visionen gekommen!“ Doch wie soll das funktionieren? Woher sollen die Ideen kommen? Sven Mimus muss es wissen. Er hat zehn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt, um den vielen Worten der Vergangenheit nun endlich auch Taten folgen zu lassen. Worum geht es eigentlich? — Zunächst ist es so, dass die Bundesregierung den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung beschlossen hat. An diesem Fakt kommen wir nicht vorbei. Ob wir das gut finden oder nicht. Aktuell ist entschieden, dass bis spätestens 2038 das letzte Kraftwerk in der Lausitz abgeschaltet werden soll. Das Revier Lausitz ist mit mehr als einer Million Einwohnern und 236 Städten auf einer Fläche von 12.000 Quadratkilometern riesig. Von Zittau bis Berlin – alles unsere Lausitz. Bei der LEAG arbeiten ca. 8.000 Menschen. Um diese sind weitere 16.000 Beschäftigte irgendwie mit diesem Industriezweig verbunden. Die LEAG allein vergibt Aufträge in die Region von mehr als einer Milliarde Euro. Zweifelsfrei kann hier von einer sehr bedeutenden Wirtschaftskraft für die Region Lausitz gesprochen werden. Es wurde politisch festgelegt, aus der Verstromung mit Braunkohle auszusteigen. Okay. Aber es braucht bei einer solchen politischen Entscheidung auch in irgendeiner Form einen Ausgleich. Einen finanziellen Ausgleich, der es möglich macht, die Zukunft zu gestalten. Insgesamt stehen für den Prozess 40 Milliarden Euro zur Verfügung. Der Spielraum für unsere eigenen Vorhaben ist jedoch kleiner. Für das Lausitzer Revier im Freistaat Sachen können Kommunen und Landkreise bis 2038 4,472 Milliarden Euro einsetzen. Die gilt es nun mit zukunftsweisenden Inhalten zu füllen. Hält sich die Regierung in Berlin komplett raus? Lassen die uns allein oder bekommen wir auch Unterstützung von „oben“? — Parallel zu unseren Bemühungen investiert auch der Bund in die Region. Das können neben Straßen- und Schienenprojekten auch die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen oder Bundesbehörden sein. Im Landkreis selbst merken wir das übrigens schon. Der Bund hat mit Casus oder der Ansiedlung der Bafa durchaus erste sichtbare Ergebnisse geschaffen. Sicher gibt es auch hier unterschiedliche Sichtweisen. Aber natürlich - wer nichts macht, der macht nichts verkehrt. Deshalb freue ich mich über diese beiden Signale seitens des Bundes. Und woher sollen die zukunftsweisenden Ideen für unsere 4,472 Milliarden nun kommen? — Losgelöst von regionalen Bedarfen nutzen die besten Ideen aus Berlin, Dresden oder Brüssel nichts. Es muss zur Region passen. Es muss auch in der Region gewollt sein. Dann wird ein Gesamtbild daraus. Und dies ist die Herausforderung, die es zu meistern gilt. Wie finden wir gemeinsam mit den Akteuren Projekte, die gut zur Region passen? Projekte, die auch förderfähig und förderwürdig gegenüber dem Land und dem Bund begründet werden können. Genau diese Begründung im Einzelnen ist schon komplex, manchmal frustrierend und nicht immer auf den ersten Blick lösbar. Dennoch kann das Ziel trotzdem nur sein, maximal viele, maximal gute Projekte in der Lausitz zu initiieren und umzusetzen. Ja – in der Lausitz. Denn das ist das Revier.